Gibt es einen „Nobelpreis“ für das Internet?

Jeder kennt den Nobelpreis für Physik, den Nobelpreis für Literatur und die anderen Nobelreise, die jedes Jahr in Stockholm vergeben werden. Erst vor einigen Jahren hat die Vergabe des Friedensnobelpreises an Barack Obama für Aufsehen gesorgt, da die USA militärisch im Nahen Osten stark engagiert sind.

Dieses Jahr könnte es jedoch noch einen weiteren Aufsehenerregenden Kandidaten für diesen Preis geben. Die Rede ist hierbei vom Internet.

Ein Nobelpreis für das Internet? Nicht undenkbar.

Ist ein Nobelpreis für das Internet wirklich undenkbar? Es ist mittlerweile keine Frage mehr, dass das Internet eine wichtige zivilisatorische Neuerung darstellt und eine der wichtigen, wenn nicht die wichtigste Erfindung der vergangenen Jahrzehnte. Milliarden Mensch weltweit nutzen das Internet und verbinden sich miteinander.

Deshalb erscheint die Frage gar nicht so ungewöhnlich, wieso eine solche Neuerung nicht mit einem Preis bedacht werden sollte. Erfindungen in der Medizin etwa werden ebenfalls mit Nobelpreisen bedacht, wobei hier jedoch die verantwortlichen Ärzte die Preisträger sind. Einen „Erfinder“ des Internets in diesem Sinne gibt es nicht, da das Internet eine gemeinschaftliche Entwicklung gewesen ist von Beginn an, wobei US-militärs in den 60er du 70er Jahren den Angang gemacht haben.

Das Internet wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach vorgeschlagen

Bereits im Jahr 2010 hat das Internet zu den Kandidaten für den Friedensnobelpreis gehört. Die Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2003, Schirin Ebadi, gab den Anstoß hierfür und hat Larry Roberts, Vint Cerf und Tim Berners-Lee als Pioniere des Internets für den Preis vorgeschlagen.

Das war notwendig, da der Preis nur an Einzelpersonen oder Institutionen vergeben werden kann. Argumentierte wurde, dass das Internet Menschen verbindet, was das beste Mittel gegen Hass und Konflikte sei. Der Friedensnobelpreis wird seit dem Jahr 1901 verliehen am Todestag des Stifters Alfred Nobel, dem 10. Dezember.

Das Internet wird auch gerade im Zusammenhang mit den Entwicklungen im „Arabischen Frühling“ immer wieder als Kandidat genannt, da es nachweislich den Frieden in der Welt fördere. So wurde zum Beispiel die Frage aufgeworfen, ob ein Unrechtsstaat wie die DDR überhaupt möglich gewesen wäre, wenn Mobiltelefone und das Internet bereits existiert hätten. Auch wird dem Internet eine wichtige Rolle im Iran zugeschrieben, da die Oppositionellen sich dort über das Internet verbinden und politisch aktiv werden können.

Alfred Nobel, eine Biographie

Alfred Nobel gilt als einer der größten Forscher aller Zeiten. Im Laufe seines Lebens meldete er 355 Patente an – ein Indiz für seinen Forschergeist. Geboren wurde der Erfinder des Dynamits 1833 in Stockholm. Wie viele andere Mitglieder seiner Familie zeigte er früh eine Affinität zu Naturwissenschaften – insbesondere zu Physik und Chemie. Im Alter von 17 Jahren, nachdem er aus Russland nach Stockholm zurückgekehrt war, beherrschte er bereits fünf Sprachen. Von seinem Vater wurde er wenig später aufgrund seiner Liebe zur Literatur für zwei Jahre ins Ausland geschickt. Bei seinen Reisen lernte er Ascanio Sobrero, den Erfinder des Nitroglycerins, kennen.

Eine Erfindung macht Karriere

In den folgenden Jahren suchte Nobel nach einem Weg, Nitroglycerin anwendungssicher zu machen. Er erfand dabei unter anderem die Initialzündung zur sicheren Sprengung des Glycerins. Bei Experimenten und der Massenproduktion von Nitroglycerin kam es zu mehreren schweren Unfällen und Explosionen. Dabei wurde unter anderem sein Bruder getötet. Eine Legende besagt, dass Dynamit entdeckt wurde, als aus einem undichten Fass, Nitroglycerin auf die Kieselpolsterung auslief. Nobel bestritt jedoch stets eine zufällige Entdeckung des Dynamits. Gesichert ist, dass er das Mischverhältnis zwischen Nitroglycerin und Kieselgur perfektionierte und sich das Verfahren patentieren ließ.

Waffen für Frieden

Trotz seiner Entwicklungen im Bereich der Sprengstofftechnik war Nobel ein Friedensliebhaber. Seine Ansichten zu Krieg und Frieden diskutierte er intensiv mit seiner Brieffreundin Bertha von Sutter. Nobel war der Meinung, dass eine zerstörungsstarke Waffe die Menschen von Krieg abbringen könnte. Diese Vermutung hat sich bis heute leider nicht bestätigt. Aufgrund seiner unglücklichen Beziehungen und seiner Kinderlosigkeit vermachte Nobel den Großteil seines Einkommens seiner Stiftung. Diese sollte in regelmäßigen Abständen die würdigsten Forscher aus allen Ländern in verschiedenen Kategorien auszeichnen. Hierzu zählen unter anderem die Kategorien Literatur, Frieden und Physik. Eine Legende besagt, dass Nobel die Einrichtung eines Mathematiknobelpreises ausdrücklich untersagte – weil eine Verehrte ihn einmal aufgrund eines Mathematikprofessors verließ.

Wie wird beim Nobelpreis nominiert und der Sieger ausgewählt?

Der Nobelpreis gehört weltweit zu den wichtigsten Auszeichnungen. In den Kategorien Chemie, Physik, Literatur, Physiologie oder Medizin, Frieden und Wirtschaft wird der Preis jährlich an herausragende Persönlichkeiten vergeben.

Vor der Vergabe durchlaufen potentielle Gewinner einen Nominierungsprozess, der bestimmten Vorgaben unterliegt. Die genauen Bestimmungen basieren auf den Statuten der Nobelstiftung. Während bis in die 1970er Jahre auch verstorbene Persönlichkeiten für den wichtigen Preis nominiert werden durften, steht das Recht auf Nominierung nun mittlerweile nur noch lebenden Personen zu. Wer allerdings zwischen Bekanntgabe im Oktober und der Vergabe des Preises im Dezember verstirbt, erhält die Ehrung posthum. Als Nominierungsfrist ist der 1. Februar jedes Jahres festgesetzt. Die Meinungen der Nobelkomitees sowie die Informationen über Nominierende und Nominierte stehen für 50 Jahre unter Verschluss, erst dann können sie eingesehen werden. Eine Selbstnominierung ist nicht möglich.

Zur Nominierung ist nur ein ausgewählter Kreis an Experten und Persönlichkeiten berechtigt. Zum einen können frühere Preisträger Nominierung aussprechen. Je nach Kategorie kann die Nominierung zudem über weitere Personen erfolgen. In den Bereichen Wirtschaft, Physik, Chemie und Medizin fällt die Aufgabe der Nominierung den Mitgliedern der Akademie der Wissenschaften und dem Nobelkomitee zu. Darüber hinaus können Professoren aus dem jeweiligen Fachbereich von ausgewählten skandinavischen Universitäten sowie ausgesuchte fachkundige Wissenschaftler einzelner anderer Universitäten Vorschläge unterbreiten.

Bezüglich des Nobelpreises im Bereich der Literaturwissenschaften werden die Nominierungen von Mitgliedern der Schwedischen Akademie sowie von weiteren vergleichbaren Einrichtungen vorgebracht. Auch bedeutende Professoren der Literatur- und Sprachwissenschaften sowie Präsidenten wichtiger Schriftstellervereinigungen fällt die Ehre der Nominierung zu.

Die Nominierungen für den Friedensnobelpreis können hingegen durch jedes Mitglied einer Regierung oder eines internationalen Gerichts erfolgen. Darüber hinaus dürfen auch Professoren der Sozialwissenschaften, Geschichte, Philosophie, Theologie und des Rechts sowie Leiter von Friedensforschungsinstituten Vorschläge anbringen. Im Gegensatz zu den anderen Bereichen kann der Friedensnobelpreis nicht nur an einzelne Personen, sondern auch an Organisationen vergeben werden.

Die letztendliche Vergabe des Preises erfolgt dann basierend auf der Liste der Nominierten. Dabei ist die Anzahl an Nominierungen nicht entscheidend für den Erhalt der Auszeichnung. Je nach Fachbereich beraten sich verschiedene Gremien bestehend aus meist fünf Mitgliedern über die Nominierten und beschließen einen Preisträger, der jedes Jahr Anfang Oktober bekanntgegeben wird.